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Gegen den Trend: Steigende Kinderarmut im Landkreis Cham

Am Mittwoch veröffentlichte die Bertelsmann-Stiftung ihren diesjährigen Bericht zur Entwicklung der Kinderarmut in Deutschland. Darin ausgewiesen sind auch die regionalen Zahlen für alle deutschen Landkreise. Während sowohl in der Bundesrepublik wie auch im Freistaat Bayern die Zahl der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen leicht rückgängig ist, verzeichnet der Landkreis Cham einen relativen Anstieg von etwa 15% innerhalb der vergangenen fünf Jahre. So mussten 2014 noch 3,5% aller Kinder und Jugendlichen im Landkreis in Armut aufwachsen, 2019 waren es bereits 4%. Und das sind lediglich die Kinder in SGB2-Bedarfsgemeinschaften, für die regionale Zahlen vorliegen. Der reale Anteil dürfte damit noch einmal deutlich höher sein. Schon allein damit aber verzeichnet der Landkreis Cham den größten Anstieg in der gesamten Oberpfalz.
Dass es in den Vorjahren trotz langanhaltender guter wirtschaftlicher Entwicklung nicht gelungen ist, das hohe Niveau der Kinderarmut zu senken, bezeichnen die Autoren des Berichts als ein „ungelöstes strukturelles Problem in Deutschland“. Für 2020 rechnet die Bertelsmann-Stiftung aufgrund der Corona-Pandemie mit deutlich steigenden Zahlen im gesamten Bundesgebiet, da besonders arme und ohnehin benachteiligte Familien besonders stark von wirtschaftlichen Folgen wie Jobverlust oder Einkommenseinbußen betroffen sein werden.

Der Chamer Kreisrat Marius J. Brey (LINKE) spricht in diesem Zusammenhang von einer „alarmierenden Entwicklung“ und ruft alle Parteien dazu auf, im Bereich der Kinderarmut an einem Strang zu ziehen:
„Kinder- und Jugendliche haben alle das gleiche Recht auf faire Chancen und gute Bildung. Armut aber begrenzt, beschämt und raubt Perspektiven. Für immer mehr Familien auch bei uns im Landkreis bedeuten die Klassenfahrt, der Sportverein oder der Musikunterricht unstemmbare finanzielle Hürden. Die betroffenen Kinder erleben dadurch Ausgrenzung und Spott. Sie lernen von klein auf, dass ihnen verwehrt bleibt, was für ihre gleichaltrigen Freunde selbstverständlich ist. Es ist beschämend, dass einerseits die Zahl der Vermögensmillionäre in die Höhe schnellt und gleichzeitig 2,8 Millionen Kinder in Deutschland in Armut aufwachsen müssen. Wenn wir die Schere zwischen arm und reich nicht endlich schließen und alle am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben lassen, wird dies zwangsläufig ein gesellschaftliches Auseinanderdriften zur Folge haben. Das zu verhindern und Kinderarmut in einem reichen Land wie Deutschland endlich nachhaltig zu bekämpfen, ist und bleibt eine Aufgabe aller demokratischen Parteien. Wir fordern deshalb die Einführung einer Kindergrundsicherung, armutsfesten Löhnen und einer Mindestsicherung statt Hartz IV.“