Alle Neune für soziale Politik: Linke diskutiert und kegelt in Cham

Gut besucht war der politische Diskussionsabend der Linken Mittlere Oberpfalz am Samstagabend im Chamer Hotel Randsbergerhof. Unter dem Motto „Alle Neune für soziale Politik!“ verband die Partei bewusst politische Inhalte mit einem geselligen Kegelabend und schuf damit eine offene, entspannte Atmosphäre für Austausch über kommunale Herausforderungen im Landkreis Cham.

Nach einer kurzen Einführung zog Kreisrat Marius Brey eine ausführliche Bilanz seiner sechsjährigen Arbeit im Kreistag. Er schilderte die besonderen Rahmenbedingungen der bayerischen Kommunalpolitik, kritisierte die Praxis sogenannter Tarnlisten großer Parteien und machte deutlich, wie schwierig es für kleine Parteien sei, politischen Einfluss zu nehmen. Gleichzeitig betonte er, dass linke Politik auch ohne große Mehrheiten Wirkung entfalten könne – etwa durch Anträge, Redebeiträge und kontinuierlichen Druck. 

Als zentrale Themen seiner Amtszeit nannte Brey vor allem die Auseinandersetzungen um die Sana-Kliniken im Landkreis, den Einsatz für die faire Bezahlung des Krankenhauspersonals angelehnt an den TVöD, den Erhalt wohnortnaher Gesundheitsversorgung sowie soziale Initiativen wie den Erhalt des Sozialtickets, Sozialtarife beim Hallenbad oder die Einrichtung eines Mietkautionsfonds. Sein Fazit: Kommunalpolitik erfordere ein dickes Fell, Durchhaltevermögen und Idealismus – reich werde man dabei nicht, aber man könne viel anstoßen.

Christian Oberthür, Landrats- und Kreistagskandidat der Linken, dankte zunächst Marius Brey für dessen engagierte Arbeit und machte deutlich, dass soziale Fragen im Alltag vieler Menschen immer drängender würden. Steigende Mieten, hohe Neben- und Energiekosten belasteten zunehmend Haushalte im Landkreis. Oberthür betonte, dass die Linke nicht nur Forderungen stelle, sondern bereits konkrete Hilfe anbiete – etwa durch Heiz- und Nebenkostenchecks. Es brauche aber mehr bezahlbaren Wohnraum, auch für Azubis und Studierende durch eine kommunale Wohnungsgesellschaft des Landkreises und die Stärkung von Genossenschaften. Wohnen dürfe keine Ware sein, sondern müsse für alle sicher und bezahlbar bleiben.

In einem weiteren Schwerpunkt sprach Oberthür über Gesundheit, Pflege und Mobilität. Er kritisierte, dass medizinische Versorgung und Pflege zu oft nach wirtschaftlichen Kriterien organisiert würden, und forderte, das Chamer Krankenhaus langfristig wieder vollständig in öffentliche Hand zu überführen sowie den Erhalt der Pflegeheime. Ein sozialer Landkreis sei auch auf einen verlässlichen öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Oberthür forderte einen echten Landkreistakt, bessere Anschlüsse, Expressbusse nach Regensburg und Straubing sowie Verbindungen am Abend und am Wochenende, damit Mobilität nicht vom eigenen Auto abhänge.

Anschließend sprach Jessica Gruber über die Themen Gleichstellung, den Schutz von Frauen vor Gewalt und die Situation junger Menschen. Sie forderte gleiche Bezahlung, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie den Ausbau von Kinderbetreuung. Mit Blick auf den Landkreis Cham sprach sie sich für zusätzliche Schutzangebote für von Gewalt betroffene Frauen aus, für mehr Jugendräume und echte Beteiligung junger Menschen. Auch sie kritisierte die Defizite im öffentlichen Nahverkehr und forderte einen verlässlichen, bezahlbaren ÖPNV als Voraussetzung für Teilhabe.

"Lohndumping rauskegeln!"

Marian Janka richtete den Blick besonders auf das Thema Arbeit. Er stellte faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen und Tariftreue in den Mittelpunkt seines Beitrags und machte deutlich, dass öffentliche Aufträge und kommunale Unternehmen eine besondere Verantwortung trügen. Gute Arbeit sei eine Grundvoraussetzung für soziale Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, gerade im ländlichen Raum.

Im Anschluss an die politischen Beiträge wurde beim gemeinsamen Kegeln weiterdiskutiert, gelacht und Kontakte geknüpft. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, direkt mit den Kandidatinnen und Kandidaten ins Gespräch zu kommen. Zum Abschluss bedankten sich die Kreissprecherinnen des Kreisverbandes, Uschi Maxim und Tobias Mainka, im Namen aller Anwesenden herzlich bei Marius Brey für seine langjährige und engagierte Arbeit im Kreistag sowie für seinen Einsatz als Kreisvorsitzender des Kreisverbandes Mittlere Oberpfalz, den er gemeinsam mit Eva Kappl über viele Jahre geprägt hat. Der Abend zeigte, dass politische Diskussionen auch jenseits klassischer Podien stattfinden können – niedrigschwellig, engagiert und mitten im Alltag.