Zum Hauptinhalt springen

Die Linke fordert besseren Bus- und Bahnverkehr im Landkreis Cham

Die Linke Kreisgruppe Cham hat sich am Dienstagabend im Kolpinghaus Cham mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis beschäftigt. Zu Gast war auch Günter Schmauder, Sprecher des Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) für den Landkreis Cham. 

Im Mittelpunkt standen Rückmeldungen von Fahrgästen, die Kreisrat Christian Oberthür über einen Videoaufruf gesammelt hatte, sowie eine Präsentation des Landratsamts zu Tarifstruktur und möglichen Kosten eines Beitritts zum Regensburger Verkehrsverbund (RVV).

Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung zeigen deutliche Probleme: überfüllte Busse und Züge, zu wenige Verbindungen, schlecht abgestimmte Anschlüsse und Verspätungen. Besonders auf dem Land schränkt das geringe Angebot die Mobilität vieler Menschen ein. Positiv bewerteten die Teilnehmenden dagegen die Rufbusse, die gut angenommen würden und eine wichtige Ergänzung im ländlichen Raum darstellten.

"Wir müssen darüber sprechen, wie wir den ÖPNV ausbauen und verbessern können, statt vor allem über Kosten und mögliche Einsparungen zu diskutieren“, erklärte Kreisrat Christian Oberthür. Er kritisierte insbesondere, dass Vergünstigungen durch Kreistagsbeschluss zu Beginn des Jahres 2026 eingeschränkt wurden. Gerade Jugendliche, ältere Menschen und Menschen mit geringem Einkommen seien auf bezahlbare Mobilität angewiesen.

Oberthür stellte im Rahmen des Treffens eine Präsentation aus einer Arbeitsgruppe des Kreistags vor. Dort beraten Vertreter aus Politik, Wirtschaft sowie Bus- und Bahnunternehmen über Tarife und Kosten. Vertreterinnen und Vertreter der Fahrgäste wurden hingegen nicht aufgenommen. Ein Schwerpunkt der Arbeitsgruppe war ein möglicher Beitritt zum RVV, der jedoch mit enormen Kosten von rund einer Million Euro verbunden ist, ohne dass daraus ein Mehrwert für den Landkreis entsteht. 

Auch wären mit dem Beitritt Preiserhöhungen zu befürchten. Der Preis für eine kurze Fahrt mit dem Chamer Stadtbus würde von derzeit 2,10 Euro auf dann 2,90 Euro steigen. Zudem ist im RVV ab 2027 kein Ticketverkauf in den Bussen mehr vorgesehen. Marian Janka, Mitglied der Kreisgruppe und aktiver Gewerkschafter warnte deshalb: „Ein Verbundwechsel darf nicht dazu führen, dass Busfahren teurer und der Ticketkauf komplizierter wird. Gerade Menschen ohne Smartphone müssen weiterhin unkompliziert Fahrkarten kaufen können.“

Auch die Kosten für digitale Angebote wurden diskutiert. Für die Einbindung der regionalen Tarife in den DB-Navigator nennt die Präsentation eine einmalige Kostenschätzung von 240.000 Euro sowie jährliche Kosten von 34.000 Euro zuzüglich Transaktionskosten. Auf Grund der hohen Kosten wird es wohl bis auf weiteres nicht möglich sein, Tickets über den DB-Navigator zu kaufen. Die Kreisgruppe ist deshalb gespannt, wie gut die angekündigte VLC-App sein wird. In den bisherigen Apps stimmen die angegebenen Fahrzeiten nicht immer mit dem realen Verkehr überein oder Verbindungen tauchen dort teilweise erst gar nicht auf, wie Günter Schmauder feststellte.

Schmauder betonte deshalb: „Bei allen Überlegungen müssen die Bedürfnisse der Fahrgäste im Mittelpunkt stehen. Ein neuer Tarif allein hilft wenig, wenn Verbindungen fehlen, Züge verspätet sind oder Anschlüsse nicht funktionieren.“

In der Diskussion war man sich einig, dass es wichtig ist, den Ausbau und die Verbesserung des Angebots stärker in den Mittelpunkt der politischen Debatte zu stellen. Ziel müsse ein bezahlbarer, zuverlässiger und alltagstauglicher ÖPNV sein, der im Landkreis Cham eine echte Alternative zum Auto bietet.

Auf dem Foto: Mitglieder und Sympathisant*innen der Linken Kreisgruppe Cham mit VCD-Sprecher Günter Schmauder (Dritter von links) und Kreisrat Christian Oberthür (Siebenter von links)

Zurück zum Kopf der Seite