Ehemalige Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter zu Gast bei der Chamer Linken

Bei einem Treffen in der Klostermühle Altenmarkt kamen Kandidierende der Linken zur anstehenden Kommunalwahl im Landkreis Cham mit Eva Bulling-Schröter zusammen, der langjährigen ehemaligen Bundestagsabgeordneten und früheren Betriebsrätin. Bulling-Schröter berichtete aus ihrer Zeit im Bundestag und gab dabei auch persönliche Einblicke in den parlamentarischen Alltag. Sie war von 1994 bis 2002 sowie von 2005 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages und von 2009 bis 2013 Vorsitzende des Umweltausschusses. Seit vielen Jahren verbringt sie zudem regelmäßig ihren Urlaub – gerne auch mit Hund – im Landkreis Cham.

Inhaltlich stand vor allem die Klima- und Umweltpolitik im Mittelpunkt. Bulling-Schröter, deren politische Schwerpunkte Klima, Energie und erneuerbare Energien waren, machte deutlich, dass viele frühere Warnungen der Wissenschaft inzwischen Realität geworden seien. Sie verwies auf die Gefahr einer Erderhitzung um bis zu drei Grad und kritisierte, dass bereits erreichte Fortschritte wieder zurückgenommen würden, etwa durch die Debatten um CCS, Fracking oder Atomkraft. Als engagierte Umweltschützerin sprach sie auch über Konflikte rund um den Ausbau der Windenergie und den Tierschutz. Internationale wissenschaftliche Erkenntnisse, etwa des Weltklimarates IPCC und des Umweltbundesamtes, sowie Berichte von Betroffenen auf Klimakonferenzen – unter anderem eingeladen von „Brot für die Welt“ und „Misereor“ – machten für sie deutlich, dass ganze Regionen von Überschwemmungen oder Trinkwassermangel bedroht sind. „Das ist unsere Verantwortung, hier entschlossen zu handeln“, betonte Bulling-Schröter.

Im weiteren Gespräch wurden auch kommunale und regionale Themen aufgegriffen. So wurde die Bedeutung der Regionalwerke Cham hervorgehoben, durch die Wertschöpfung und Gewinne in der Region bleiben – ein Ansatz, der zentralen Forderungen der Linken entspricht. Kritisch angesprochen wurde zudem, dass der CO₂-Ausstoß durch Militär, Aufrüstung und Kriege in offiziellen Klimabilanzen nicht erfasst wird. Bulling-Schröter erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die Folgen des Jugoslawien-Krieges und den Einsatz von Uranmunition dort, unter dessen gesundheitlichen Auswirkungen viele Soldaten lange Zeit litten, ohne dass dies öffentlich anerkannt wurde.

Aus ihrer kommunalpolitischen Erfahrung als frühere Stadträtin in Ingolstadt berichtete Bulling-Schröter von Erfolgen im Personal- und Sozialausschuss, etwa bei der weitgehenden Abschaffung befristeter Arbeitsverträge im kommunalen Bereich. Dauerhafte Beschäftigung sei notwendig, um Fachkräfte zu halten. Als ehemalige Betriebsrätin unterstrich sie außerdem die Bedeutung von Tarifbindung und klaren sozialen Kriterien bei der Vergabe kommunaler Aufträge, etwa im Bauwesen, im Busbetrieb oder beim Glasfaserausbau. Tarifverträge und starke Betriebsräte seien gut für die Beschäftigten und für die Qualität öffentlicher Leistungen.

Marian Janka, Spitzenkandidat der Linken für den Stadtrat Cham und Kandidat für den Kreistag, zog ein positives Fazit: „Das Gespräch mit Eva Bulling-Schröter hat uns wichtige Impulse und konkrete Ideen gegeben. Faire Löhne, Tarifbindung und regionale Wertschöpfung stärken nicht nur die Beschäftigten, sondern nützen auch dem lokalen Handel und sorgen für mehr Steuereinnahmen in der Kommunalkasse.“

Auch Christian Oberthür, Landratskandidat der Linken für den Landkreis Cham, betonte den Wert des Austauschs: „Gerade für die Kommunalpolitik im Landkreis Cham ist es wichtig, Klima- und Sozialfragen zusammenzudenken. Die Erfahrungen von Eva Bulling-Schröter zeigen, dass konsequente Umweltpolitik, gute Arbeit und starke Kommunen kein Widerspruch sind, sondern die Grundlage für eine lebenswerte Zukunft in unserer Region.“