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„Gesundheit darf keine Frage des Geschlechts sein“

Die Linke Cham diskutiert mit Annemarie Mühlbauer über Gendermedizin

Cham, 20. August 2026 – Beim monatlichen offenen Treffen der Kreisgruppe Cham der Partei Die Linke im Kolpinghaus Cham stand am Donnerstagabend die Frage im Mittelpunkt, wie eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung gestaltet werden kann. Als besonderen Gast begrüßte die Kreisgruppe Annemarie Mühlbauer, stellvertretende Kreisvorsitzende des Sozialverbandes VdK Cham und Vertreterin der Frauen im VdK-Bezirk Oberpfalz.

Mühlbauer stellte die Resolution der Landesfrauenkonferenz des VdK Bayern 2025/2026 „Geschlecht – Gesundheit – Gerechtigkeit“ vor und erläuterte die darin formulierten Forderungen. Die Resolution macht deutlich, dass Gendermedizin weit mehr ist als Frauenheilkunde. Biologische und soziale Geschlechterunterschiede können Einfluss auf Krankheiten, Symptome, Diagnostik und Behandlung haben. Ziel einer geschlechtersensiblen Medizin müsse deshalb sein, das Individuum in den Mittelpunkt zu stellen und die Gesundheitsversorgung für alle Geschlechter zu verbessern.

„Gendermedizin bedeutet nicht, dass wir nur über Frauen sprechen. Es geht darum, Unterschiede in der Medizin überhaupt wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Frauen und Männer können bei denselben Erkrankungen unterschiedliche Symptome haben, Medikamente können unterschiedlich wirken und auch soziale Faktoren beeinflussen die gesundheitliche Versorgung“, erläuterte Annemarie Mühlbauer. „Mit unserer Resolution wollen wir deshalb deutlich machen, dass geschlechtersensible Medizin eine Frage von Qualität und Gerechtigkeit ist.“

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass bei Forschung, Diagnostik und Behandlung noch erheblicher Nachholbedarf besteht. So weist die Resolution darauf hin, dass Frauen bei bestimmten Erkrankungen andere Symptome zeigen können, die teilweise später oder falsch eingeordnet werden. Auch bei der Medikamentenforschung und bei klinischen Studien bestehen Lücken: Nur rund ein Drittel der Teilnehmenden an klinischen Studien sind Frauen.
Die VdK-Frauen fordern deshalb unter anderem einen umfassenden bayerischen Gesundheitsbericht mit geschlechtersensiblen Daten, mehr geschlechtergerechte Forschung, die Verankerung geschlechtersensibler Medizin in der medizinischen Ausbildung sowie wohnortnahe geschlechtsspezifische Präventions-, Versorgungs- und Reha-Angebote. Auch Gendermedizin soll verpflichtender Bestandteil der Aus-, Weiter- und Fortbildung aller Gesundheitsberufe werden.

„Wir brauchen nicht nur bessere Forschung, sondern auch eine bessere Vermittlung des Wissens in der Praxis. Wenn Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und andere Beschäftigte im Gesundheitswesen nicht entsprechend geschult werden, kommt die Erkenntnis aus der Forschung bei den Patientinnen und Patienten nicht an“, betonte Mühlbauer.

„Das Thema Frauengesundheit und eine geschlechtergerechte medizinische Versorgung ist auch für uns vor Ort von großer Bedeutung. Es geht nicht nur um die Frage, ob Frauen und Männer dieselbe Behandlung bekommen, sondern darum, ob medizinische Forschung, Diagnostik und Versorgung unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnisse überhaupt ausreichend berücksichtigen“, erklärte Kreisrat Christian Oberthür. „Auch im Deutschen Bundestag wurde das Thema aufgegriffen. Die Linke hat im Juli einen Antrag mit dem Titel ‚Frauengesundheit intersektional und strategisch denken – Für eine Gesamtstrategie Frauengesundheit‘ eingebracht.“

Besonders intensiv wurde über die Situation im Landkreis Cham gesprochen. Thema war unter anderem die drohende Unterversorgung mit Frauenärztinnen und Frauenärzten. Gleichzeitig stellte sich die Frage, in welchem Umfang geschlechtersensible Medizin bereits in den Arztpraxen und im Krankenhaus umgesetzt wird. Die Anwesenden wollen daher prüfen, welche Informationen hierzu verfügbar sind und beispielsweise eine Anfrage bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) in Betracht ziehen. Auch die Situation im Krankenhaus soll genauer betrachtet werden.

„Wir dürfen bei diesem Thema nicht nur auf die großen politischen Forderungen schauen, sondern müssen auch wissen, wie es bei uns vor Ort aussieht“, erklärte Marian Janka, aktiver Gewerkschafter und Mitglied der Kreisgruppe. „Wenn uns Informationen fehlen, müssen wir sie einfordern. Gerade bei der Versorgung mit Frauenärztinnen und Frauenärzten, bei der Situation im Krankenhaus und bei der Frage, wie geschlechtersensible Medizin tatsächlich umgesetzt wird, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.“

Die Kreisgruppe der Linken und Annemarie Mühlbauer wollen deshalb weiter im Austausch über die Situation im Landkreis Cham bleiben. Gemeinsam soll das Thema Gendermedizin und Frauengesundheit vor Ort bekannter gemacht, der aktuelle Stand der Versorgung ermittelt und möglicher Handlungsbedarf identifiziert werden.

„Die Resolution des VdK gibt wichtige Impulse. Jetzt wollen wir genauer hinschauen, wie die Situation bei uns im Landkreis aussieht“, so Christian Oberthür abschließend.

Auf dem Foto von links: Andreas Hartl, David Zollner, Peter Gerl, Marian Janka, Annemarie Mühlbauer, Susanne Brey, Christian Oberthür

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