Großes Interesse an Informations- und Diskussionsabend zum Klimawandel in Cham

Zahlreiche Interessierte folgten der Einladung der Linken Mittleren Oberpfalz zur Informations- und Diskussionsveranstaltung „Klimawandel verstehen – Zukunft der Oberpfalz gestalten“ ins Kolpinghaus Cham. Nach der Begrüßung der Gäste und der Vorstellung des Referenten Dr. Theo Glauch durch Christian Oberthür sprach der Klimaforscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) über die Entwicklung des globalen Klimas. Rund 80 Prozent der heute verbrannten fossilen Energieträger seien erst seit 1960 genutzt worden – und genau seit dieser Zeit sei auch ein deutlicher Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zu beobachten. Zwar habe es in der Erdgeschichte immer wieder wärmere Phasen gegeben, doch die Geschwindigkeit der aktuellen Erwärmung sei das zentrale Problem. „An diese rasanten Veränderungen können wir Menschen uns nicht einfach anpassen“, so Glauch. Drei Grad globale Erwärmung bedeuteten an Land sogar fünf bis sechs Grad mehr, da sich die Ozeane langsamer erwärmen. In Bayern liege die Temperatur bereits heute rund zwei Grad über dem Niveau von 1970.

Die Folgen seien auch in der Oberpfalz spürbar: Längere Hitzeperioden, mehr Trockenphasen, aber auch heftigere Starkregenereignisse. Warme Luft könne mehr Feuchtigkeit speichern, zudem blieben Wetterlagen länger stabil – mit entsprechend längeren Extremphasen. Städte müssten sich etwa durch mehr Grünflächen anpassen, da sich dicht bebaute Gebiete im Sommer besonders stark aufheizen. Zugleich betonte Glauch, wie wichtig das Erreichen der Klimaziele auf Bundes- und Landesebene sei. Gerade im Verkehrssektor seien seit 1990 kaum CO₂-Einsparungen erzielt worden. Er plädierte daher für einen konsequenten Ausbau von Bus und Bahn, einen schnelleren Umstieg auf erneuerbare Energien sowie eine stärkere Elektrifizierung von Verkehr und Industrie. Wo direkte Elektrifizierung nicht möglich sei, brauche es Wasserstoff, gewonnen durch Elektrolyse mit überschüssigem Strom, sowie leistungsfähige Speicher. Länder wie China zeigten, dass ein entschlossener Ausbau erneuerbarer Energien zu sinkenden Emissionen führen könne.

Im Anschluss ging Christian Oberthür, Landratskandidat für den Landkreis Cham, auf den geplanten Ausbau der Windkraft ein. Er stellte mögliche Standorte bei Rötz, Pemfling und Michelsneukirchen vor und ordnete diese in die aktuelle Energieerzeugung im Landkreis ein. Zwar würden bereits 57 Prozent des Stroms vor Ort erzeugt, 76 Prozent davon aus erneuerbaren Quellen, insbesondere Photovoltaik. Im Winter jedoch liege die Eigenversorgung teils bei nur rund 40 Prozent des Verbrauchs. Windkraft könne diese Lücke sinnvoll schließen und sei zudem deutlich effizienter im Flächenverbrauch als Photovoltaik oder Biomasse. In der lebhaften Diskussion im Anschluss wurden unter anderem der lange verzögerte Netzausbau, notwendige Speicherkapazitäten sowie die Frage erörtert, wie die Umstellung auf erneuerbare Energien sozial gerecht und mit breiter gesellschaftlicher Beteiligung gestaltet werden kann. Marian Janka, Stadtrats- und Kreistagskandidat meinte dazu abschließend: "Nur eine sozial gerechte Umstellung in der Klimapolitik kann den Beschäftigten und Familien Ängste im Rahmen von erforderlichen Umstellungen nehmen!"