Informationsveranstaltung zur Wehrdienst- und Kriegsdienstverweigerung in Cham stößt auf großes Interesse

Die Linke Mittlere Oberpfalz hat am Montagabend im Kolpinghaus in Cham eine gut besuchte Informationsveranstaltung rund um das Thema Wehrdienst- und Kriegsdienstverweigerung durchgeführt. Zu Gast war Willi Rester, Sprecher der DFG-VK Oberpfalz. Begrüßt wurden Referent und Publikum von Christian Oberthür, Landratskandidat der Linken. Angesichts der aktuellen Debatte um eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht habe Die Linke einen großen Informationsbedarf zu den Folgen und zu den Möglichkeiten der Wehrdienstverweigerung festgestellt. 

Zu Beginn stellte Willi Rester die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsgegner*innen (DFG-VK) vor, die sich seit Jahrzehnten für Frieden, Abrüstung und gewaltfreie Konfliktlösungen einsetzt. Ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit ist die Beratung zur Kriegsdienstverweigerung, daneben engagiert sich die Organisation in der Friedensbildung, bei Aktionen gegen Rüstungsexporte sowie in Bündnissen gegen Militarisierung und Aufrüstung. Bundesweit hat die DFG-VK rund 3600 Mitglieder, davon 36 in der Oberpfalz. „Unser Ziel ist es, Menschen darin zu unterstützen, ihrem Gewissen zu folgen und Nein zu sagen zu Krieg und Gewalt. Gleichzeitig machen wir politische Arbeit, um langfristig eine friedlichere Welt zu erreichen“, so Rester. 

Aktuell verzeichnet die DFG-VK einen starken Anstieg an Anfragen rund um das Thema Kriegsdienstverweigerung, insbesondere mit der Bitte um Unterstützung bei der Antragstellung. Gingen im Zeitraum Juli '24 - Juli '25 ca 100 Anfragen zum Thema beim bayerischen Landesverband ein, waren alleine in letzten Quartal über 300. Bundesweit wurden 2024 an die 3000 KV-Anträge eingereicht - diese Zahl war in 2025 schon im August deutlich überschritten. Und das, obwohl die Wehrpflicht bislang noch nicht wieder eingeführt wurde. Die Beratung der DFG-VK erfolge grundsätzlich kostenfrei durch Ehrenamtliche. 
Grundsätzlich können alle Männer mit deutscher Staatsbürgerschaft im Alter zwischen 17,5 und 60 Jahren den Wehrdienst verweigern. Rester betonte, dass für Anträge auf Verweigerung die Gewissensentscheidung individuell und nachvollziehbar dargestellt werden müssen. Musterformularen aus dem Internet oder KI-gestützte Chat-Bots werden den Anforderungen überhaupt nicht gerecht. Solche Begründungen werden leicht erkannt und haben zu einer hohen Ablehnungsquote geführt. Allerdings sei darunter keiner der von der DFG-VK Beratenen gewesen. Daher empfahl Rester dringend, sich vor der Antragstellung an die DFG-VK zu wenden. 

Wer es alleine probiert hat und wegen Mängel abgelehnt worden ist, für den ist auch noch nichts verloren. Einen Monat habe man Zeit, Widerspruch einzulegen und neue oder ausführlichere Gründe vorzubringen. Spätestens dann sei eine Beratung durch die DFG-VK dringend anzuraten. Aufgrund des hohen Bedarfs bildet die DFG-VK derzeit auch neue ehrenamtliche Beraterinnen und Berater aus. 

Rester ging außerdem auf den Fragebogen ein, der ab dem kommenden Jahr an alle nach dem 1. Januar 2008 geborenen Personen verschickt werden soll.  Er riet dazu, auf dieses Schreiben zu reagieren, da ansonsten ein Bußgeld drohen könne. Dabei solle man angeben, dass kein Interesse an der Bundeswehr bestehe, jedoch keine freiwilligen Zusatzangaben machen. Die gemachten Angaben müssten allerdings korrekt sein, da falsche Angaben bei einer späteren Musterung auffallen würden. 

Aus dem sehr interessierten Publikum gab es zahlreiche Nachfragen, sowohl zum Antrag auf Kriegsdienstverweigerung als auch zur Musterung und zum Fragebogen, die von Willi Rester ausführlich und verständlich beantwortet wurden. Die Veranstaltung endete nach einem intensiven Austausch und vielen Einzelgesprächen im Anschluss. Die Linke Mittlere Oberpfalz zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz und kündigte an, auch künftig Informationsangebote zu sicherheits- und friedenspolitischen Themen zu machen. 
Weitere Infos unter kdv-bayern@dfg-vk.de und www.verweigern.info