Von Sozialtarif bis Jugendrat: Linke diskutiert Zukunftsthemen für Walderbacher Gemeinderat

Am Freitagabend lud die Die Linke Mittlere Oberpfalz zur Wahlkampfveranstaltung ins Gasthaus Pindl in Walderbach, Ortsteil Haus, ein. Bei der Kommunalwahl tritt die Partei erstmals mit einer eigenen Liste in Walderbach an und fast alle Listenkandidatinnen und -kandidaten waren anwesend.Eröffnet wurde die Veranstaltung von Landratskandidat Christian Oberthür, der zugleich auf Platz 2 der Gemeinderatsliste kandidiert. In einem kompakten Rückblick zog er Bilanz über die Arbeit der Linken und Kreisrat Marius Brey im Kreistag.

Inhaltlich prägte vor allem die Krankenhauspolitik die vergangenen sechs Jahre. Die Privatisierung der Kliniken und die Bindung an den Sana-Konzern seien aus Sicht der Linken ein Fehler gewesen. Die Schließung des Standorts Roding und die jahrelangen Auseinandersetzungen um Tariffragen hätten dies deutlich gemacht. Die Beschäftigten mussten sich zusammen mit ver.di die Angleichung an den TVÖD hart erkämpfen. Die Linke hat sie dabei immer unterstützt. 

Begrüßt wurde von Oberthür die Gründung der Regionalwerke durch den Landkreis für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Es sei richtig, Gewinne aus den Erneuerbaren in der Region zu halten, statt sie an private Konzerne abfließen zu lassen. Bedauerlich sei, dass kein einziger Antrag der Linken im Kreistag eine Mehrheit gefunden habe – etwa zur Einführung eines Mietkautionsfonds, einer Informationsfreiheitssatzung, eines Bürgerrats oder sozialer Tarife im Nahverkehr oder für das Rodinger Hallenbad.

Für die kommende Legislatur kündigte Oberthür an, die Arbeit fortzusetzen. Themen seien unter anderem kommunaler Wohnungsbau in Zusammenarbeit mit Kreiswohnungswerken, ein Mietkautionsfonds, echte Sozialtarife im ÖPNV, Expressbuslinien nach Regensburg und Straubing, eine Tariftreuesatzung, eine zweite Schutzwohnung im Landkreis sowie Gemeindeschwestern für den gesamten Landkreis. Bereits jetzt biete der Kreisverband konkrete Hilfen für die Menschen an, wie einen Heizkostencheck und eine Sozialsprechstunde im Schwandorfer Büro.

Im Anschluss stellte Spitzenkandidatin Eva-Maria Schwarzfischer, Lehrerin in Cham, ihre Schwerpunkte für den Walderbacher Gemeinderat vor. Politisches Handeln beginne im Kleinen, betonte sie. Drei Themen seien ihr besonders wichtig: Mobilität, Freizeit und Naturschutz. Leben in Walderbach müsse auch ohne eigenes Auto möglich sein – etwa durch den Ausbau des Rufbusnetzes mit Anbindung an Neubäu und Nittenau. Die lebendige Vereinslandschaft wolle sie stärken, etwa durch ein gemeinsames Dorffest nach dem Vorbild des Gerümpelturniers. Beim Thema Bauen sprach sie sich für Maß und Ziel aus: Leerstand nutzen, im Ortskern nachverdichten und Grünflächen erhalten. Perspektivisch könne ein „essbares Dorf“ mit Hochbeeten entstehen – inspiriert vom Kreislehrgarten.

Auf Platz 3 kandidiert Irene Antropius (59), Behindertenassistentin. Sie stellte die Situation von Frauen in den Mittelpunkt. Fehlende Anerkennung unbezahlter Sorgearbeit und finanzielle Abhängigkeiten prägten auch ihren eigenen Lebensweg. Sie setzt sich für einen niedrigschwelligen, dauerhaften Treffpunkt für Frauen in Walderbach ein – als Raum für Vernetzung, Beratung und gegenseitige Unterstützung.

Manuel Schwarzfischer (25), Student und auf Platz 4, forderte mehr Angebote und Treffpunkte für Jugendliche sowie bessere Busverbindungen zwischen den Ortsteilen. Als aktiver Gewerkschafter sei ihm zudem wichtig, dass öffentliche Aufträge nur an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden.

Michael Trautner (43), auf Platz 5 der Liste, Heilerziehungspfleger und Vater von zwei Kindern, betonte die Themen Inklusion und Barrierefreiheit. Menschen mit Einschränkungen müssten gleichberechtigt am Gemeindeleben teilhaben können – von barrierefreier Nahversorgung bis zu Mobilitätsangeboten. Auch Umwelt- und Klimaschutz sowie eine stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, etwa durch einen Jugendrat, seien zentrale Anliegen. Mit Blick auf internationale Entwicklungen warnte er vor einer Politik, die soziale und ökologische Standards aushöhle, und warb für ein solidarisches, gerechtes Miteinander auf kommunaler Ebene.

Bernd Antropius (57), Projektleiter und auf Platz 6, war verhindert und wurde kurz vorgestellt. Er plädiert für mehr kulturelle Veranstaltungen, zum Beispiel ein Country Musik Festival mit lokaler Squaredancegruppe oder ein Rock am Regen Festival. Auch Antropius wünscht sich ein jährliches Bürgerfest zum näheren Kennenlernen zwischen "Alteingesessenen" und "Neuzugezogenen" mit Ständen der einzelnen Vereine und Gruppierungen. 

Bernhard Gregori (Platz 7), Heilerziehungspfleger, sprach sich für Nachhaltigkeit, solidarische Landwirtschaft und Permakultur aus. Der Kreislehrgarten könne weiterentwickelt werden, um den Anbau heimischer Lebensmittel zu fördern und besonders Kindern den Wert gesunder Ernährung näherzubringen.

In der anschließenden Diskussion wurde angeregt über die Zukunft des Dorfes gesprochen. Unter anderem kam die Idee auf, das alte Kino im Kloster wiederzubeleben. Mit dem erstmaligen Antritt in Walderbach wolle man ein Angebot für alle machen, die sich ein sozial gerechtes, ökologisch verantwortungsvolles und lebendiges Gemeindeleben wünschen, so das Fazit des Abends.

Auf dem Foto von links: Bernhard Gregori, Michael Trautner, Irene Antropius, Eva-Maria Schwarzfischer, Christian Oberthür, Manuel Schwarzfischer